3. Juni 2008
Åland
Da es immer erst um acht Uhr Frühstück gibt, hole ich mir den vorgestern
erkundigten Mietwagen bereits vorher ab. So kann ich um halb neun gleich
starten - habe mir viel vorgenommen. Zuerst fahre ich Richtung Nordosten los,
auf die Insel Vårdö zum Fähranleger der Nordroute in Hummelvik. Dazu muss
sogar eine kurze, gelbe Kabelfähre in Anspruch genommen werden. Dort
angekommen schaue ich ein wenig zu, wie der ganze Umschlag für Brändö und die
anderen abgelegenen Inseln vor sich geht. Ach ja, dort hin selber zu fahren
machte es wirklich notwendig, ein eigenes Auto bei sich zu haben. Den
Mietwagen mehrere Tage mit sich zu führen und dennoch die Überfahrten mit zu
bezahlen wäre ein kostspieliges Vorgehen.
Weiter gehts nach Norden. Dort gibt es abgesetzt die Simskäla-Inselgruppe.
Diese wären wiederum mit einer weiten Kabelfähre zu erreichen. Diese hat
jedoch am Mittag Auftankpause. So bleibe ich eine Weile beim Anleger und drehe
wieder um. Trotzdem hat sich die Fahrt hierhin bei weitem gelohnt. Die
verzettelten, kleinen Inselchen lassen die Gegend wie die Florida Keys wirken.
Ausser, dass einem eine frische Nordbrise ins Gesicht schlägt. Der Pulli
bleibt aber aus Prinzip im Rucksack!
Am östlichen Ende der Insel Sund muss man sich unbedingt die Ruine Bomarsund
anschauen. Aber nicht nur wegen der Ruine, auch wegen dem kleinen Restaurant.
Hier fegt der Wind nicht und so kann man sich im Gartenrestaurant gute,
örtliche Hausmannskost zu Gemüte führen.
Jetzt gehts wirklich in den Norden. Zurück in Godby biege ich rechts in die
Gegend nach Geta ab. Da oben ist aber wirklich tote Hose. Da hats nur
verschlafene Bauernhöfe, aber auch idyllische Meeresbuchten, wo immer wieder
kleine Boote festgemacht sind. Da kann man einfach nur schauen und geniessen.
In Geta selber hats einen K-Supermarkt, damit hat sichs. Kein Restaurant.
Mit dem Navi findet man jetzt eine gute Abkürzungsroute Richtung Eckerö. Man
folgt also eine gewisse Zeit keine der vier nummerierten Hauptstrassen der
Insel mehr. Das macht aber gar nichts, diese sind eben so gut ausgebaut. Als
Bonbon findet sich auf halbem Wege ein kleines Strassenschild zu einem
Aussichtspunkt, nachdem man bei einer schönen Kirche vorbei gefahren ist. Da
ich sowieso alleine auf dieser Route am Fahren war, kurzerhand eine
Vollbremsung wert. Ein paar hundert Meter das Ende des Fahrweges mit einem
weiteren Schild zum Fussweg mit nunmehr einer Längenangabe vom 1000m. Meine
Neugier war geweckt. Na gut, das war wohl etwas weiter, doch alsbald machte
sich ein mit Holztreppen begehbarer Hochstand bemerkbar. Und wirklich, von
hier oben konnte man ganz schön weit sehen.
Mit Google findet man mit Eckerö natürlich als erstes das Post- und Zollhaus,
samt Café. Letzteres zeigt für haus gemachte Pralinen spezialisiert. Also
hatte ich mich für überteuerten Filterkaffee und tangige Plunder eingestellt.
Zum Glück weit gefehlt. Die Café-Besitzerin zeigte sich Ideenreich und
servierte Kaffee mit Vanillearoma. Die Stückchen gabs auch mit Zimtgeschmack,
das ganze für einen akzeptablen Preis. Der Fähranleger selber war wenig
spektakulär, zumal gerade keine Fähre zugegen. Das Fischereimuseum nebenan,
wers mag kann ja rein gehen. Der Ort Bergholm selber besteht aus einem
neugebauten, für skandinavische Verhältnisse eher kleinen Kreisverkehr. Zu
erwähnen noch das Restaurant mit der grossen Fahne mit Text
«Graceland». Bereits in Mariehamn machen die Werbung mit ihrem
Elvis-Imitator. Hier könnte man sich den also anhören. Also fahren wir mal
kurz noch ein bisschen in Richtung Norden weiter. Unweit kommen schöne
Badestrände und hier ist endlich auch was los - es hat Leute!
Die Rückfahrt dann etwas weniger spektakulär. Trotz einigen Abstechern auf
Nebenstrassen, gab es nichts weiter heraus stechendes. Den Flughafen habe ich
mir auch noch kurz angeschaut. Er ist so klein, dass man wirklich gleich neben
dem Tower parkieren kann. Aus der gelandeten Propellermaschine steigen drei
Schlipsträger aus. Der Pilot macht eine fiese Miene, also stelle ich die
Videokamera aus. Nachtessen nochmals kurz im La Strada - diesmal stilecht
Pizza Quattro Stagione.