31. Mai 2008
Mariehamn
Wieder mal früh aufstehen. Um neun Uhr geht die Viking-Fähre von Kapellskär
nach Mariehamn auf Åland. Dass man dazu bereits um 8. 05 Uhr in Norrtälje am
Busterminal bereitstehen muss, will gelernt sein. Dachte ich mir, das
Frühstück kann man auch auf der Fähre noch einnehmen. Doch zum ersten Mal
sollte tatsächlich ein Bed&Breakfast dem Namen gerecht werden. Bereits kurz
vor halb acht hörte ich Geschirr klimpern. Da musste jemand gehört haben, dass
ich bereits auf war. Voilà, ein perfektes Frühstück für eine Person. Ich war
tatsächlich der einzige Gast. Ein Vorteil, der sich auch am Abend zeigen
sollte.
Zunächst aber die etwas langweilige Busfahrt nach Kapellskär. Dort haben sich
massenhaft Leute für die Butterfahrt am Fährterminal eingefunden. Diese wurden
gerade auf die M/S Rosella verfrachtet. Die kleinere Ålandsfärjan ist in
Mariehamn festgemacht. Kann sie sich dem Ansturm nicht mehr alleine gewachsen
zeigen. An Bord klingelt bereits eine halbe Stunde vor Ankunft «FI
Sonera» durch und fragt höflich, ob ich denn mein Mobiltelefon nicht
um eine Stunde vorstellen möchte. Dem ist natürlich nichts entgegen zu wenden.
Wie die Ausfahrt aus den nördlichen Schären ist auch die Einfahrt in die
Ålandsschären ein göttliches Erlebnis, das man mit keinem Film so richtig wird
durch geben können. Viking findet das so toll, dass sie allerdings keine
Einzel-, sondern bloss Rückfahrtskarten nach Kapellskär verkauft. Für
umgerechnet ca. CHF 12. - aber auch kein riesen Problem. Die Fahrt dauert
zwei Stunden (mit der Ålandsfärjan wären es zweieinhalb). Webcam
Mariehamn ist doch etwas grossflächiger zu erkunden als Norrtälje tags zuvor.
Es ragt als riesige Landzunge südlich in die baltische See. Westlich ist der
Fährenhafen. Unweit davon habe ich mich in ein Gästhem einquartiert. Dann
gehts los, die Stadt erkunden. Obligat vorbei am Turistenbüro, mich mit allem
Wissenswerten einzudecken. Dann durch die Gågatan schlendern, Leute sitzen in
unzähligen Strassen-Cafés. Rechts weg durch die Gasse und was sehe ich da? Da
ist schon wieder eine kleine, nette Bäckerei! Doch halt, nicht schon wieder so
süsses Zeugs. Die verkaufen zum Glück auch tolle Sandwiches. Qualität wie bei
Mövenpick, Preis wie normales Restaurant-Sandwich in der Schweiz.
Jetzt gilt es den Osthafen zu erkunden. Dort gibts, man ahnt es, eine
vorgelagerte Insel «Lilla Holmen». Sie ist oben, mittig und unten
mit je einer Brücke an die Hauptinsel «getackert». Ich marschiere
weiter. Da kommt mir in den Sinn: Ich wollte doch den Fahrradverleih anschauen.
Davon gibts auf beiden Seiten Mariehamns eine Filiale - beide zu. Ost offen
von 11-12h, super. West ist bloss eine Scheune ohne Öffnungszeiten. Ich
entschliesse mich, am Montag
nochmals vorbei zu schauen und sonntags eher mit dem Bus wohin zu fahren.
Åland hat ein halbes Dutzend Buslinien auf der Hauptinsel und allem, was daran
über Brücken erreichbar ist. Wie sich allerdings später heraus stellen sollte,
ein am Sonntag unlogisches Vorhaben. Es fährt in jede Richtung nur jeweils ein
Bus raus und unmittelbar wieder zurück. Das würde sich nicht lohnen. Jetzt
weiss ich, warum der gute Michel vom Kathulthof in Småland den Alfred mit
Pferd und Wagen transportiert hatte. Kein Bus, kein Drahtesel - das würde aber
einen faden Sonntag geben.
Ich watschle noch etwas an der Westseite rum. Am Fährhafen nochmals vorbei
aber weiter hoch nördlich. Da liegt die Pommern, eine alte Kriegsfregatte, zum
Museum umfunktioniert. Hier erfahre ich auch, dass die tags zuvor gesehene
«Norrtelje» in Norrtälje tatsächlich mal die Schärenroute nach
Finnland fuhr. Das war bestimmt abenteuerlich.
Das Stadthaus von Mariehamn liegt mittig auf einem Hügel. Westlich bestieg
ich nun einen Hügel, der als Aussichtspunkt auf dem Stadtplan markiert ist.
Das wars wert: Hier hat man wirklich einen interessanten Rundblick. Nur die
vielen Bäume nehmen etwas die Sicht. Auf dem Navigationsturm würde man sicher
mehr sehen. Gleich südlich davon ist ja auch die technische Hochschule von
Åland. Hier wird unter anderem eben das Navigieren gelehrt. Wer mich verfolgt
hat, weiss, dass ich immer mal auf der Webcam von ha.ax zu sehen gewesen sein
muss. ;-)
Zurück von meiner Stadtrundwanderung und dem Abendessen im Restaurant gleich
neben der Bäckerei vom Mittag, erzähle ich dem Besitzer des Gästeheims von
meinem Misserfolg beim Fahrradmieten. Ich sags euch gleich: Es hat Vorteile,
ausserhalb der Saison zu reisen. Er schlägt vor, dass ich doch einfach seinen
Drahtesel nehmen soll. Der hat doch immerhin sieben Gänge mit Nabenschaltung
und Rücktritt, geht aber schon als Streetbike durch. - Einziger Wermutstropfen,
er will den gleichen Preis wie der Vermieter genommen hätte: EUR 12. -/Tag.
Ich schlage trotzdem ein.